Unter Korrosion versteht man den von der Oberfläche
ausgehenden Abtrag eines Metalls infolge elektrochemischer Reaktion mit
Partnern aus der Umgebung. Dabei gehen die Metallatome aus dem metallischen in
den nichtmetallischen Zustand über, sie werden oxidiert. Dieser Vorgang
entspricht, thermodynamisch betrachtet, einem Übergang vom geordneten,
energiereichen Zustand in den weniger geordneten, energieärmeren und somit
stabileren Zustand
Korrosionsvorgänge sind stets Phasengrenzreaktionen. Zu ihnen
gehört beispielsweise auch das Zundern der Metalle, d.h. die Oxidation in
heißen Gasen. Hier soll jedoch ausschließlich die Korrosion an der Phasengrenze
Metall/wässrige Phase behandelt werden, die allgemein als elektrochemische
Korrosion bezeichnet wird.
Bei jedem korrosiven Angriff laufen zwei prinzipiell verschiedene Reaktionen ab: im anodischen Teilprozess, dem unmittelbar erkennbaren Korrosionsvorgang, geht das Metall infolge der Zurücklassung einer äquivalenten Zahl von Elektronen gemäß der Reaktionsgleichung
Me -> Men+ + ne-
In den oxidierten Zustand über. Die gebildeten Metallionen
können entweder gelöst in den Elektrolyten übergehen oder aber sich nach
Reaktionen mit Bestandteilen des angreifenden Mediums auf dem Metall niederschlagen.
Dieser anodische Teilprozess kann nur solange ablaufen, wie
die gebildeten Elektronen in einem zweiten Prozess verbraucht werden. Bei
diesem Prozess handelt es sich um eine kathodische Teilreaktion. In neutralen
oder alkalischen Medien wird dabei Sauerstoff gemäß
O2 + 2H2O + 4e- -> 4OH-
zu Hydroxylionen reduziert, die ihrerseits beispielsweise mit den Metallionen reagieren können, während in sauren Medien die Wasserstoffionen unter Bildung von freiem Wasserstoff reduziert werden, der gasförmig entweicht:
2H+ + 2e- -> H2.
Stehen zwei verschiedenartige Metalle, die beide von
demselben Medium benutzt sind, miteinander in elektrischem Kontakt, so wird der
kathodische Teilprozess am edleren und der anodische Teilprozess am unedleren
Metall ablaufen. Man spricht in diesem Fall von Kontaktkorrosion.
Beide Rektionen können aber auch an ein und demselben Metall
stattfinden, man spricht dann von „freier Korrosion“. Kathodische und anodische
Teilvorgänge können an der Grenzfläche Metall/Lösung in ständigem Wechsel mit
statistisch ungeordneter Verteilung von Ort und Zeitpunkt des Einzelvorganges aufeinanderfolgen.
Jeder der beiden Teilreaktionen entspricht eine Teil-Strom/Spannungskurve.
Der Gesamtstrom setzt sich additiv aus den beiden Teilströmen
Ia und Ik zusammen:
Igesamt = Ia + Ik
Die beiden Teil-Strom/Spannungskurven addieren sich zur Summen-Strom/Spannungskurve.
![]() |
Freie Korrosion an der Phasengrenze Metall/korrosive Flüssigkeit Im aggresiven Medium wird am korrodierenden Metall Sauerstoff reduziert unter gleichzeitiger Bildung der Korrosionsprodukte |
Bei Abwesenheit einer von außen aufgeprägten Spannung, also bei freier Korrosion, nimmt das System denjenigen Zustand ein, bei dem sich der anodische und der kathodische Teilstrom gerade kompensieren:
Ia = -Ik = Ikorr
Man bezeichnet den anodischen Teilstrom in diesem Fall als
den Korrosionsstrom Ikorr. Das zugehörige Potential, bei dem diese
Kompensation der Teilströme eintritt, nennt man das „freie Korrosionspotential“
oder auch kurz das „Ruhepotential“ Ekorr.
Das Ruhepotential ist ein Mischpotential, bei dem kein Gleichgewicht herrscht, da
hier ständig ein Stoffumsatz gemäß der Bruchgleichung
O2 +
2H2O + 4/nMe -> 4/nMen+ + 4OH-
stattfindet.
Sinngemäß das gleiche gilt auch für die Kontaktkorrosion,
doch sind hier die Verhältnisse komplizierter, da neben den jeweils zwei
Teil-Strom/Spannungskurven an jedem der beiden Metalle und den daraus
resultierenden zwei Summen-Strom/Spannungskurve des Gesamtsystems als nach
außen in Erscheinung tretende Größe zu berücksichtigen ist.
Häufig werden die Metalle nach steigenden Werten des
„Normalpotentials“ als „elektrochemische Spannungsreihe“ angeordnet. Der
Begriff „Normalpotential“ besagt dabei, dass die betreffenden Werte für
Standardbedingungen gelten,
insbesondere also für die Aktivitäten (elektrochemisch wirksamer Anteil der
Konzentrationen) der gelösten Metallionen sowie des Wasserstoffs von jeweils 1
mol/l, für einen Wasserstoffdruck von 1 bar bei 25°C. Derartige Bedingungen
sind in der Praxis äußerst selten gegeben, insbesondere liegen unter
praxisnahen Bedingungen normalerweise Lösungen vor, die von Ionen des
betrachteten Metalls praktisch frei sind.
Es muss betont werden, dass die Aufstellung rein
thermodynamische Werte angibt. Einflüsse der Korrosionskinetik, etwa infolge
der Ausbildung schützender Deckschichten, sind hier nicht berücksichtigt. So
erscheint hier beispielsweise das Blei als unedles Metall, das sich in Schwefelsäure
auflösen müsste. „Praktische“ oder „technische“ Spannungsreihen weisen diesen
Nachteil zwar nicht auf, können jedoch trotzdem nur sehr eingeschränkt benutzt
werden. Elektrochemische Korrosionsmessungen liefern dagegen eindeutige
Ergebnisse.
Als Anhaltspunkt kann für Metalle, die unter keiner äußeren
elektrischen Spannung stehen, folgender Zusammenhang zwischen Potential und
Korrosionsempfindlichkeit gegeben werden, vorausgesetzt, dass keine
Sekundärreaktionen oder Ausbildung von Deckschichten das Verhalten
beeinflussen:
sehr unedle Metalle (Potential unter -0,4V), z.B. Na,
Mg, Be, Al, Ti und Fe, korrodieren in neutralen wässrigen Lösungen auch bei
Abwesenheit von Sauerstoff.
unedle Metalle (Potential zwischen -0,5…0V), z.B. Cd,
Co, Ni, Sn und Pb, können in neutralen wässrigen Lösungen bei Gegenwart von
Sauerstoff, in Säuren auch bei Abwesenheit von Sauerstoff unter
Wasserstoffentwicklung korrodieren.
halbedle Metalle (Potential zwischen 0…+0,7V), z.B.
Cu, Hg und AG, können in allen Lösungen nur bei Gegenwart von Sauerstoff
korrodieren.
Edelmetalle (Potential über +0,7V), z.B. Pd, Pt und
Au sind im allgemeinen stabil.
Stehen die betreffenden Metalle unter äußerer elektrischer
Spannung, so können sie sich erheblich anders verhalten als oben angegeben.
Davon wird beim elektrochemischen Korrosionsschutz Gebrauch gemacht.
Flächenkorrosion
Gleichmäßiger Abtrag von der gesamten Grenzfläche Werkstoff/angreifendes Medium. Sehr häufig auftretende Korrosionsart, bei der sich aus dem Korrosionsstrom der Dickenabtrag pro Zeiteinheit berechnen lässt.
Lochfraßkorrosion
Punktförmiger Angriff des korrosiven Mediums auf den Werkstoff, so dass Löcher entstehen, die fast stets tiefer sind als ihr Durchmesser. Außerhalb der Lochfraßstellen erfolgt praktisch kein Flächenabtrag. Lochfraßkorrosion wird häufig durch Halogendioden verursacht.
Spaltkorrosion
Bevorzugter korrosiver Angriff in engen Spalten, bedingt durch Konzentrationsunterschiede im korrosiven Medium, beispielsweise infolge langer Diffusionswege für den Sauerstoff. Zwischen Anfang und Ende des Spalts entstehen dann Potentialunterschiede, die eine erhöhte Korrosion an den weniger belüfteten Stellen verursachen.
Spannungsrisskorrosion
Korrosion bei gleichzeitiger Einwirkung von korrosivem Medium und mechanischer Zugspannung, die auch eine Eigenspannung im Werkstück sein kann. Die Risse bilden sich inter- oder transkristallin, häufig, ohne dass sichtbare Korrosionspunkte entstehen.
Schwingungsrisskorrosion
Korrosion bei gleichzeitiger Einwirkung von korrosivem Medium und mechanischer Wechselbeanspruchung, etwa durch Schwingungen. Es kommt zu transkristallinen Rissen, häufig, ohne dass Verformungen beobachtet werden.
Reibkorrosion
Korrosion, verursacht durch gleichzeitige Einwirkung von korrosivem Medium und mechanischer Reibung, wird gelegentlich auch als Reiboxidation bezeichnet.
Interkristalline und transkristalline Korrosion
Korrosionsarten, bei denen die Korrosion selektiv entlang den Korngrenzen bzw. annähernd parallel zur Verformungsrichtung durch das innere der Körner verläuft.
Entzinkung
Aus dem Messing wird selektiv das Zink herausgelöst, wobei ein poröses Kupfergerüst zurückbleibt. Analog spricht man auch von Entnickelung und Entaluminierung.
Rostbildung
Unter Rostbildung versteht man die entstehung oxidischer und hydroxidischer eisenhaltiger Korrosionspunkte auf Eisen und Stahl.
Wenn Ihr was zum Korrosionsschutz lesen wollt, dann klickt bitte hier.