Entdeckungen an der Radnabe am 1.3er Fahrgestell

...oder: Warum Holger immer sagt: „1.3er reparieren ist wie Ü-Eier öffnen: Man weiß nie, was man findet!“

...dokumentiert von Tobias


Ich bin beim Überholen meines 1.3er-Fahrgestelles über folgendes Rätsel gestolpert:
Die hinteren Schräglenker sind baugleich mit denen beim 353. Um hinten annähernd dieselbe Spurverbreiterung hinzukriegen, die vorne durch den Quereinbau des Motors erforderlich wurde, wurden einfach Zwischenstücke zwischen Radnabe und Schräglenker eingefügt. Übrigens waren solche Spurverbreiterungen auch zu DDR-Zeiten schon an manchen Autos zu finden, aber die Volxzolipisten sahen so was gar nicht gerne… Später gab’s das dann ab Werk, da war’s dann legal.
Was mir nicht gleich aufgefallen ist, sondern erst beim Entrosten der Schräglenker:
Beim Einfügen der Zwischenstücke wurde offenkundig schon in der Konstruktion etwas gepfuscht. Die Bolzen, die die Radnabe am Schräglenker befestigen, sind reichlich kurz. Ich wollte nämlich die Gewinde am Schräglenker mit Schrauben verschließen, um nicht beim Sandstrahlen die Gewinde übern Haufen zu blasen. Dabei stellte ich fest, dass die Schrauben nur 10mm in den Schräglenker rein gingen, dann war das Gewinde einfach zugekeimt. Also habe ich erst mal die Gewinde freigelegt, und dann die Löcher verschlossen.
Aber das Rätsel hat mir keine Ruhe gelassen. Als ich dann Naben und Spurverbreiterungen fertig entrostet und lackiert hatte, habe ich das ganze mal probehalber zusammengesteckt. Und siehe da, das Gewinde der Schrauben kuckt hinten grade mal 10mm raus. Und dabei fehlte ja noch die Bremsankerplatte, die ja auch noch mal etwas Stärke hat. Das Vermessen der Bolzen ergab, dass es sich um M10x60 handelte. Güte 10.9. Sollte an diesem Auto schon mal einer an den Radlagern gearbeitet haben, und dann keine passenden Inbusschrauben in der richtigen Länge gehabt haben? Ein Blick in den Ersatzteilkatalog schaffte Klarheit. Der schreibt klar und deutlich vor: TGL 0-912 (Innensechskant); M10x60; 10.9. Die Schrauben waren also original.
Warum also 60mm? Ich habe mal gelernt, dass eine Schraube wenn möglich das 1,4fache des Nenndurchmessers ins Gewinde gedreht werden sollte, um sicher zu halten. Ob das bei 10.9er hochfesten Schrauben auch mit weniger ausreicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Immerhin wäre ja im Schräglenker genug Fleisch gewesen, um längere Schrauben zu nehmen. Und M10x70, oder M10x75 ist nun nicht sooo die unübliche Länge.
Mir persönlich ist kein Fall bekannt, wo ein 1.3er sein Hinterrad verloren hat, weil’s die Schrauben aus dem Schräglenker rausgerissen hätte. Aber beim Zusammenbau meiner Hinterachse werde ich auf alle Fälle M10x75er Schrauben einsetzen. Gibt es im Schraubenhandel meines Vertrauens für wenig Geld, und ruhiger schlafen kann ich dann auch.

Hier noch ein paar Bilder (anklicken zur Volldarstellung):


Die Hinterachse im Urzustand. Ganz schön rostig


Nabe und Spurverbreiterung zusammengesteckt. Viel Gewinde bleibt nicht, wenn da noch die Bremsankerplatte dazwischen soll.


Alte und neue Bolzen nebeneinander. Beides M10, beides 10.9er, aber einmal 60er und einmal 70er Länge.


Noch mal eine Explosionsdarstellung ohne Lager, von links nach rechts: Dichtring, Spurplatte, Dichtring, Abstandshülse, Nabe mit Bolzen, Wellendichtring.



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