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Fahrt zur OLDTEMA 2010
Anlasserreparatur Wartburg 1.3 PDF Drucken E-Mail

...dokumentiert von Tobias


Aus unerklärlichen Gründen sprang einer unserer Wartburg 1.3 mal an, und mal wieder nicht an - meistens nicht. Anlassertausch brachte erst mal keine Verbesserung, erst der zweite neu (gebrauchte) Anlasser hauchte dem Treibsatz wieder Leben ein. Holger bekam schon Muffensausen, denn sein Anlasser ist auch nicht mehr so willig. So haben wir hingesetzt, und Anlasser zerpflückt.
Hier also der Patient auf der Werkbank:


Zuallererst löst man die Verbindung vom Magnetschalter zum Anlasser (Kupferkabel, rechts). Danach kann man den Magnetschalter vom Anlasser abschrauben und aushängen. Dann kann man den Magnetschalter testen. Dazu Plus auf Steueranschluss und dickes Gewinde (Klemme 30 und 50), Masse auf Gehäuse. Wenn der Magnetschalter jetzt anzieht, ist er nicht defekt. Dann schraubt man am Anlasser die zwei Schrauben am hinteren Deckel ab:


und nimmt den ab. Darunter kommt ein Plastikring zum Vorschein, dessen Funktion es ist, die Andruckfedern der Kohlebürsten zu halten und gegen Gehäusemasse zu isolieren. Nach Entfernen des Ringes bot sich uns folgendes Bild:


Wo ist Feder Nummer vier? Hat die sich einfach verdünnisiert? Geht ja eigentlich nicht. Popeln im Loch brachte sie dann doch zum Vorschein. Wie geht das? Die Lösung des Rätsels sehen Sie unten. Wenn man die Federn gerettet und beiseite gelegt hat, kann man das komplette Gehäuse nach oben abziehen (wenn es nicht allzu fest gerostet ist - dieses hier war's - der Anlasser ist eher schlecht abgedichtet!). Dann ist der Rotor zugänglich:


Wie man sieht, ist der Schleifring ganz schön eingelaufen! Eigentlich sollte man den abdrehen. Wenn man eine Drehbank hat. Sanftes reinigen ist hier aber auf keinen Fall verkehrt! Dann kann man die Achse des Einspurhebels entfernen. Nicht wundern, diese Konstruktion verdient das Prädikat "extra russisch" (unsere russischen Freunde mögen mir verzeihen). Zuerst denkt man, es sei eine Achse mit einem Spreng(Seege-)ring auf einer Seite. Zorniges Ansetzen der Seegeringzange zeigte aber keinerlei Erfolg, denn das ist ja gar kein Sprengring, sondern nur eine "aufgesägte Unterlegscheibe", die sich beim Öffnen prompt verbiegt und unbrauchbar wird. DIN 471 (Wellensicherungsringe) sieht anders aus! Da hat der "DDR-Sparwahn" wohl mal wieder mal Überstunden geschoben! Bei der Montage haben wir das dann durch eine Schraube mit Kontermutter ersetzt.


Hier noch mal die Einrückgabel:


Der Rotor auf der Werkbank. Man sollte ihn auf Beschädigungen untersuchen. Ob und wie man die dann reparieren kann, weiß ich nicht zu sagen.


Nun zum Stator:


Wie man erkennen kann, sind beide Plus-Kohlen recht dunkel verfärbt (die beiden helleren Kohlen gehen direkt auf Masse), zudem ist rund um die untere Kohle der Kohlebürstenhalter schon verschmort und verformt. Das war auch der Grund, warum die Feder dieser Kohle im Loch fest hing. Die war schon fast in die Plaste eingeschmolzen. Ich habe sie dann aber durch vorsichtiges Pulen doch noch gerettet. Man kann die Kohlen sicherlich austauschen. Dazu muss man aber die Statorwicklungen vom Gehäuse lösen um an die Anschlussdrähte zu kommen, und so einen großen Kreuzschlitzschraubendreher habe ich gar nicht. Auch der Kohlebürstenhalter ist austauschbar (dazu muss man allerdings einen neuen haben, oder die Geduld ihn sich aus geeignetem Material neu zu fertigen - Pertinax wäre da mein erster Gedanke, wenn es nicht so übel stinken würde beim Bearbeiten) - dazu müssen auch die Statorwicklungen raus und die zwei Nieten am hinteren Lagerschild geöffnet werden:


Ich habe mir das geschenkt. Was ich getan habe, ist die festsitzende Kohlenbürste zu lösen und die Führung mit dem Dremel so weit nachzuarbeiten, dass sie wieder gängig war.


Dann den ganzen Schmonzes wieder zusammenhauen, die Dichtung an der Magnetschalterhalterung nicht vergessen dabei (siehe Bild 5. Viel dichtet die zwar nicht ab, macht aber ein beruhigendes Gefühl), den Magnetschalter wieder einbauen, anklemmen und testen. Und - voila: Er startet wieder! Fazit: Reparatur innerhalb gewisser Grenzen möglich. Aber nicht ganz einfach. Lohnt sich aber, weil Anlasser selten werden. Wartburgfreund Koppe meinte auch, dass oftmals die Anlasser einfach nur verölt seien, und das Öl den geordneten Stromdurchfluss ein wenig behindern würde. Das war hier zwar nicht der Fall (hier war der Fehler wirklich die klemmende Kohlenbürste), ist aber generell möglich. Im Falle eines Falles ist aber die Zerlegung immer erst mal eine Möglichkeit, wieder zu einem funktionierenden Anlasser zu kommen. Generell scheint der Bürstenhalter eine Schwachstelle zu sein. Bei beiden Anlassern, die ich gemacht habe, war die verschmort und geschmolzen. Also: im Zweifel nicht ewig orgeln, sondern dem Anlasser immer wieder Abkühlpausen gönnen, dann tut er es länger. Übrigens: Wir haben auch noch einen Bosch-Anlasser für den 1.3 liegen. Der ist etwas anders aufgebaut. Ich werde den mir noch mal vorknöpfen, vielleicht kriege ich den auch noch zerlegt.

 

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